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Ich habe gekündigt – kurz vor Corona

Ursprünglich sehr auf finanzielle Sicherheit bedacht, war ich eigentlich immer der Typ, der seine Karriere minutiös geplant hat. Doch dann ging ich einmal ein Risiko ein und kündigte einen Job ohne bereits einen neuen Arbeitsvertrag “in der Tasche” zu haben. – Drei Wochen später kam der erste Lockdown. Meine Geschichte aus dem Frühjahr 2020.

Ja nichts dem Zufall überlassen

Wenn es um meine Karriere ging, war ich immer auf Sicherheit bedacht. Vielleicht liegt das auch in meinem Start ins “Erwachsenenleben” begründet. Ich habe 2009 mein Abi gemacht. Falls ihr euch noch daran erinnert, damals war die Finanzkrise auf ihrem Höhepunkt und die Aussichten auf dem Arbeitsmarkt wenig rosig. Was ich heute leider bereue: Aus Angst mit Bafög jahrelang am Existenzminimum zu leben und nach meinem Studium einen Kredit am Hals zu haben, entschied ich mich damals gegen ein klassisches Universitätsstudium.

Stattdessen studierte ich dual Business Administration an einer privaten Hochschule und zusammen mit einer internen Ausbildung bei einem großen Modeeinzelhändler. Danach durchlief ich mustergültig alle firmeninternen Stationen: stellvertretende Abteilungsleiterin, Abteilungsleiterin und schließlich stellvertretende Storemanagerin.

Eine kurze Pause im schnurgerade Lebenslauf

Selbst als ich mich zu einer “Auszeit” in den USA entschied, weil ich dazu privat die einmalige Gelegenheit bekommen hatte, spielte ich auf Sicherheit. So fing ich quasi zwei Fliegen mit einer Klappe: Ich qualifizierte mich weiter und man konnte mir später nicht vorwerfen, ich hätte in den eineinhalb Jahren im Ausland nichts “Sinnvolles” gemacht. (Leider war nämlich schon im Vorfeld klar, dass ich dort keine Arbeitserlaubnis erhalten würde.) Zusätzlich nahm ich ein Jahr Sabbatical in Anspruch. Auf diese Weise hätte ich ein Jahr lang zu meinem Arbeitgeber zurückkehren können, hätte ich meinen Auslandsaufenthalt unerwartet früher abgebrochen.

Nach der Zeit in den USA schrieb ich noch meine Master Thesis und die letzten Prüfungen. Auch in dieser Situation wollte ich unbedingt auf Nummer Sicher gehen und absolvierte parallel ein halbjähriges Praktikum. Gegen Ende dieser Zeit neigte sich auch mein Studium dem Ende zu und ich bewarb mich um Festanstellungen – in der Angst, dass es sehr lange dauern würde, eine zu bekommen. Doch weit gefehlt. Ich unterschrieb den Arbeitsvertrag noch bevor ich meine Master Urkunde in den Händen hielt. (Tatsächlich schrieb ich in den ersten zwei Monaten in meinem neuen Job noch an meiner Arbeit, was extrem stressig war.)

Als ich nach zweieinhalb Jahren das Gefühl hatte, in meinem aktuellen Tätigkeitsfeld karrieretechnisch nicht weiterzukommen (über meine Beweggründe im Herbst letzten Jahres den Job zu wechseln, habe ich einen Beitrag verfasst), kündigte ich erst, als ich den neuen Arbeitsvertrag sicher in der Tasche hatte. Ich war ja schließlich vernünftig!

Der Traumjob war eher ein Albtraumjob

Trotz bester Planung musste ich dann leider feststellen, dass das Leben nicht immer so spielt, wie man es sich selbst ausmalt. Der in schillernden Farben ausgemalte Traumjob entpuppte sich eher als Albtraumjob. Nach wenigen Wochen war ich aus mehreren Gründen extrem frustriert. Mir wurde klar: Das kann so nicht weitergehen.

Die Wirtschaftslage in Bayern war glücklicherweise ungebrochen blendend. Es herrschte Vollbeschäftigung und Fachkräfte – auch im Bereich E-Commerce und Digital Marketing – wurde gesucht. Auf diese Zukunftsfelder hatte ich mit meinem Masterstudium spezialisiert. Aus diesem Grund entschied ich mich zu einem Schritt, der für mich ewig undenkbar war: Ich kündigte gegen Ende der Probezeit ohne bereits schon einen neuen Arbeitsvertrag unterschrieben zu haben.

Zu dem Zeitpunkt meiner Kündigung war ich bereits in konkreteren Gesprächen mit einem Unternehmen, für das ich wirklich sehr gerne arbeiten wollte. Ich hatte dort bereits zwei Gespräche gehabt und musste meine Unterlagen nur noch erneut auf englisch einreichen. Ein Schritt, der lediglich nach Formalitäten klang.

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Das Jahrhundertereignis globale Pandemie

Dann kam der März 2020 und mit dem Frühling auch eine neue Krankheit: Covid-19. Das Coronavirus war plötzlich allgegenwärtig und veränderte unseren Alltag in einem nie dagewesenen Ausmaß. Und meine Bewerbung bei einem Unternehmen, das vom stationären Handel und Tourismus lebt? Auf unbestimmte Zeit auf Eis gelegt.

Plötzlich war die gut gefüllten Jobbörsen auf Xing, Stepstone und Co. auch hier in Süddeutschland wie leer gefegt. Etwa zwei Monate lang ging gar nichts. Noch schlimmer: Das Arbeitsamt machte mir die absurdesten und erniedrigendsten Vorschläge. Am liebsten hätte ich mich gar nicht arbeitslos gemeldet. Doch die Aussicht auf eine “kostenfreie” (als Arbeitnehmer hatte ich ja schließlich jahrelang Sozialversicherungsbeiträge gezahlt) Krankenversicherung ließ mich den Gang machen. Und ja, ich fühlte mich direkt wie in einer RTL2-Doku. Ich möchte wirklich nicht abwertend klingen, aber das Publikum erfüllte leider alle Klischees. Die Angestellten waren jedoch sehr nett und nahmen sich die Zeit, mir alle Fragen höflich zu beantworten. Das möchte ich an dieser Stelle betonen.

Mein Glück im 1. Lockdown

Eine knappe Woche später hatte auch das Arbeitsamt wie alles andere dicht und mich plagte das erste Mal Zukunftsangst. Allerdings hielt sich diese Angst noch im Hintergrund und verwandelte sich wider Erwarten nicht in eine Panik meinerseits. Mein Glück waren nämlich drei Dinge:

1. Das herrliche Wetter im Frühjahr 2020

2. Fast alle Menschen, die ich kannte, waren in Kurzarbeit Zuhause. So kam es mir gar nicht komisch vor, nur Zuhause zu sein und nicht zu arbeiten. Stattdessen veranstalteten Freundinnen FaceTime-Calls von ihren Terrassen am Nachmittag.

3. Die Erleichterung nicht mehr meinen alten Job machen zu müssen, überwog noch sehr lange Zeit alle anderen negativen Gefühle. Die Kündigung dort habe ich bis heute keine einzige Minute bereut. Da meine Probezeit kurz nach dem Beginn des Lockdowns zu Ende gegangen wäre, wäre ich möglicherweise auch nicht übernommen worden.

Nicht unter Druck setzen

Wenn mich mein Berufs-Fehlgriff eines gelehrt hatte, dann war es, bei der Jobsuche nichts zu überstürzen und sich seiner Kriterien treu zu bleiben, die man sich für den idealen Arbeitgeber überlegt hat. Ich denke jeder hat solche Anforderungen für sich definiert, meine Kriterien für den perfekten Arbeitgeber findet ihr hier.

Mir war bewusst, dass ich den nächsten Job – sollte er denn am Horizont auftauchen – nicht wieder nach fünf Monaten kündigen konnte. Ein schneller Jobwechsel im Lebenslauf wird verziehen. Mehrere sehen dann doch sehr nach “Job-Hopping” aus. Kein Arbeitgeber möchte jemanden extra einarbeiten, bei dem er befürchten muss, dass er nach wenigen Monaten schon wieder weg ist.

Wenn eine Sache in der Pandemie boomte, war es der Onlinehandel!

Ein weiterer glücklicher Umstand war (obwohl ich es ehrlicherweise nicht nur Glück, sondern auch weise Voraussicht meinerseits nennen würde), dass ich mich beruflich auf E-Commerce und Online Marketing spezialisiert hatte. Wenn eine Sache in der Pandemie boomte, war es der Onlinehandel! Etwas zwei Monate nach dem ersten “Corona-Schock” fingen die ersten Unternehmen wieder vorsichtig an, Stellen auszuschreiben.

Vorstellungsgespräche über Zoom & lange Bewerbungsprozesse

Die Vorstellungsgespräche fanden nun über Webcams oder nur das Telefon statt. Das empfand ich für mich als Nachteil, irgendwie kann ich mich in Person besser “verkaufen”, aber das war nicht zu ändern. Leider taten sich viele Unternehmen noch schwer mit den Bewerbungsverfahren unter Corona-Bedingungen. Die Verfahren zogen sich also ungewohnt in die Länge. Bei einem Unternehmen, bei dem ich gerne angefangen hätte, musste ich sogar über drei Monate warten bis ich das dritte und letzte Gespräch gehabt hätte.

Doch dann ging alles ganz schnell. Ich hatte mich für eine Stelle beworben, bei der ich mir nicht ganz sicher war, ob meine Qualifikation schon ausreichen würde. Nur zwei Tage später nachdem ich meine Bewerbung gemailt hatte, bekam ich eine Einladung zum Gespräch. Vier Tage später hatte ich das Bewerbungsgespräch – live vor Ort (die Corona-Lage hatte sich wieder leicht entspannt). Noch im Gespräch unterschrieb ich den Arbeitsvertrag und fing am darauffolgenden Montag den Job an.

Ein noch besseres Happy End als erwartet

Obwohl ich meinen vorherigen Job nicht wegen der Bezahlung oder der “Karrierestufe” gekündigt hatte, fand ich mich schneller als ich je erwartet hätte in einer besser bezahlten, “höherwertigen” Position wider. – Und das trotz Corona und Wirtschaftskrise.

Mir fiel es immer schwer, entspannte Zuversicht zu bewahren, wenn ich nicht genau wusste, wie der nächste Schritt in meinem Leben aussehen würde. Spontanität ist nicht meine Stärke und ich möchte eigentlich immer wissen, was mich erwartet. Im Frühjahr und Sommer 2020 habe ich mich jedoch recht gut geschlagen und gelernt, dass die nächste vielversprechende Station im Leben vielleicht nur um die nächste Ecke auf einen wartet.

Wenn ihr also auch plötzlich in dieser Gesundheits- und Wirtschaftskrise auf Jobsuche wiederfindet, verzweifelt nicht! Verkauft euch nicht unter Wert und bewerbt euch auch auf die Stellen, die vielleicht noch eine Spur zu groß erscheinen.

Bis bald

♡Kristina

2 Comments

  1. Sandy
    2020-11-30 / 20:09

    Liebe Kristina,

    vielen Dank für den tollen Post, genau das habe ich gerade gebraucht! Meine Situation sieht ähnlich aus: mein befristeter Arbeitsvertrag endet Ende des Jahres und ich suche schon seit Juli/August nach einer neuen Stelle, bisher ohne Erfolg. Meine Erfahrung ist auch, dass es viel wenigere Stellen gibt als vor Corona und dass auch viele Stellen teilweise ausgeschrieben werden aber nach einer Woche schon wieder weg sind, weil sie doch gestrichen oder intern besetzt wurden. In meiner momentanen Firma werden auch keine neuen Leute eingestellt und Verträge nicht verlängert.. es freut mich aber total, dass du trotz Corona nun etwas gefunden hast und das gibt mir auch etwas Hoffnung. Die Existenzängste habe ich definitiv auch aber ich glaube das Schlimmste sind nicht nur unbedingt die Geldsorgen, sondern man fühlt sich einfach nutzlos wenn man den ganzen Tag nur zuhause “gammelt”. Aber ich habe mir vorgenommen, mich in meiner arbeitslosen Zeit irgendwie selbst weiterzubilden 🙂

    Liebe Grüße
    Sandy GOLDEN SHIMMER

    • Kristina
      Author
      2020-12-12 / 19:03

      Liebe Sandy,
      es freut mich, dass ich dir etwas Mut machen konnte! Ja, du hast absolut Recht – ohne Job habe ich auch gemerkt, wie wichtig eine Beschäftigung auch psychisch für mich ist. Wie wichtig die Bestätigung ist, die man bspw. von Kollegen und Vorgesetzten erhält. Ich drücke dir ganz doll die Daumen, dass 2021 deinen Traumjob für dich bereithält.
      Liebe Grüße
      Kristina

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